Georg, Betzdorf – Germany

WOHL DEM, DER EINEN GARTEN HAT

Es war Mitte Mai diesen Jahres, als Daniel, ein befreundeter Redakteur der hiesigen Tageszeitung, seinen Gartenbesuch ankündigte, um mit mir über die Bedeutung von Natur und Garten in der sich verschärfenden Pandemie-Situation zu sprechen. Diese (Garten)Gespräche nahmen vor Jahren ihren Anfang und entwickelten sich zu einem wiederkehrenden, liebgewonnenen und konstruktiven Austausch unter Gleichgesinnten. Schnell stand ein zeitnaher Termin, denn ich fand die Thematik recht spannend und da war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss: „Wohl dem, der einen Garten hat!”
In unserer Unterhaltung kristallisierte sich bald heraus, welches Privileg es doch sei, einen Garten sein Eigen zu nennen. Ganz davon zu schweigen, man säße in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung ohne Balkon, mit vielen anderen Menschen in einem Haus. Keine Frage, für mich wäre es die Horrorvorstellung schlechthin. Dies war mir durchaus bewusst, doch in Zeiten einer Pandemie – mit den unterschiedlichsten Restriktionen – bekommt diese Tatsache nochmal eine ganz andere Dimension. Da ist es regelrecht befreiend, wenn man im Sommer die Stauden wässern, Verblühtes zupfen, den Rasen trimmen, die Hecken schneiden oder im Herbst hunderte Blumenzwiebeln in den Beeten verbuddeln darf. Das gilt zu jeder anderen Zeit, vor allem aber jetzt, da uns allen ein Virus den Rückzug ins Private auferlegt hat. So bedeutet dies vor allem, viel Zeit im eigenen Garten zu verbringen.

Ja, ich investiere viel in meinen Garten, aber ich bekomme auch unendlich viel von ihm zurück – das ist wirklich Luxus.
Und so kam der Corona-Lockdown, Gott sei dank, in der günstigsten Jahreszeit, denn im Frühling gibt es jeden Morgen etwas Neues zu entdecken. Das waren für mich wahre Glücksmomente, im ersten Licht des Tages durch den Garten zu streifen und sich zum Beispiel über die erste Tulpe des Jahres zu freuen.
Im Garten kann ich alles hinter mir lassen, abschalten und die Pandemie, zeitweise jedenfalls, ausblenden.
Wir ereiferten uns darüber, dass der Mensch allen Ernstes glaube, alles beeinflussen oder gar steuern zu können – dies sei wohl der klassische Fall eines Trugschlusses. Denn da kam ein mikroskopisch kleines Virus daher, um die ganze Welt lahm zu legen.
Daniel wollte wissen, was ich daraus lerne?
Nun, es ist die exakt selbe Lektion, die mir mein Garten immer wieder erteilt: Die Natur lässt sich nicht verbiegen und schon gar nicht beherrschen.
Vielmehr führt der Garten mich zu meinen Wurzeln zurück, gibt mir Bodenhaftung, den Blick für das Wesentliche und lehrt mich Demut und Dankbarkeit – der Garten, eine Schule für´s Leben. Die Tugenden der Gelassenheit und Geduld inklusive, weil vieles eben Zeit braucht.
Für mich gibt es tausende kleiner Dinge im Leben, die mir Freude und auch Glücksmomente schenken.
Als ich Daniel am Gartentor verabschiede, hinterließ der Gedankenaustausch bei mir ein grundsätzlich gültiges Fazit: „Nimm dich selbst nicht so wichtig. Abstand halten und Maske tragen in Corona-Zeiten haben rein gar nichts mit staatlicherseits legitimierter Freiheitsberaubung zu tun, vielmehr stehen diese Gesten für Mitmenschlichkeit, christliche Nächstenliebe und sozialen Zusammenhalt – dem Kitt unserer Gesellschaft.”

Mit dieser Erkenntnis im Gepäck bleibe ich und all die Anderen auch zukünftig leidenschaftliche und humorvolle Gärtner*Innen, achtsam, respektvoll, zufrieden, nachdenklich sowie gesund an Leib und Seele!

www.oehndorf-garten.de

Auf Instagram: https://www.instagram.com/oehndorf_garten_betzdorf/

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