carsten, leipzig – germany

Dankbarkeit, Demut und Optimismus

Ich bin ein untypischer Zeitzeuge zu diesem Thema, da ich als Zeichner von Gärten für Gartenbaubetriebe seit jeher im Homeoffice arbeite. Dass jetzt meine Kinder mit am Tisch sitzen und Hausaufgaben vormittags statt abends machen, stört uns nicht.

Wir haben auch keinen eigenen Garten, da wir in einem großen Haus mit noch drei weiteren Familien leben. Doch ich beobachte, dass es meine Nachbarn in den letzten Wochen in diese von Mauern und großen Bäumen, aber in erster Linie von standortuntypischen Sträuchern umgebene Rasenfläche gezogen hat, um diverse, meist standortuntypische Pflanzen zu setzen oder zu gießen. Es scheint also etwas dran zu sein an der meditativen und Hoffnung stiftenden Wirkung der Tätigkeit im Garten, die also auch Städter befallen kann.

In unserem Gemeinschaftsgarten hat mir jemand von einem Kollegen in Afrika berichtet. Er erzählte ihm die Geschichte eines Kleinbauern. Dieser meinte, wenn er zum Markt ginge, dann würde er vielleicht mit einer schweren Krankheit infiziert, an der er aber wahrscheinlich nicht stirbt. Wenn er aber vier Wochen zu Hause bliebe, dann würde er mit Sicherheit Pleite gehen. Daher ginge er zum Markt. Wir in Europa, führte er weiter aus, seien dagegen so reich, dass wir nicht nur vier Wochen zu Hause bleiben, sondern auch weite Teile der Industrie pausieren könnten, ohne dass wir als Ganzes Pleite gingen und vor allem ohne dass ein Bürgerkrieg ausbräche.

Die Geschichte zeigt mir das Dankbarkeit für das, was man hat, eine gewisse Demut und vor allem Optimismus beim Bewältigen unserer Aufgaben gute Begleiter sind, die man auf seinem Lebensweg nicht verlieren sollte.

Unser dieser Garten war schon öfter, seit kurzem aber mehr denn je, der Ort an dem sich die Kinder des Hauses zum Spielen und die Eltern nun auch wieder zum Quatschen einfinden können. Dieser Gemeinschaftsgarten ist kein teurer privater Rückzugsraum, sondern ungeplant und ungärtnerisch angelegt. Aber egal, Hauptsache Schatten von den Bäumen, Rasen zum Spielen und eine Mauer zum Sitzen. Das reicht.

Nullkommaneun – gute Ideen auf Papier bringen

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